Haben Sie alle Sinne beisammen?

Haben Sie alle Sinne beisammen?

Diese Frage sollten Sie sich unbedingt stellen, wenn Sie einen Text schreiben. Natürlich soll das nicht heissen, dass Sie nicht alle Tassen im Schrank haben oder nicht mehr ganz klar sehen. Vielmehr soll das heissen: Achten Sie darauf, dass jeder Mensch über fünf Sinne verfügt. Und jeder Mensch hat seinen primären Sinn, normalerweise einer von diesen dreien: visuell, auditiv oder kinästhetisch.

Visuelle Menschen sehen den springenden Punkt

Diese Gruppe ist vermutlich die grösste. Dazu gehören normalerweise auch diejenigen Menschen, die Ihre Werbung gestalten: die Grafiker, die Gestalter, die Typografen etc. Visuelle Menschen formulieren ihre Sätze eher mit visuellen Wörtern: «Ich sehe, was sie meinen.» «Ich blicke da nicht durch.» «Er ist ein heller Kopf.» Wenn Sie nun in Ihrem Text zu wenige von diesen visuellen Wörtern haben, kann es sein, dass Sie nicht «wahrgenommen» oder «ausgeblendet» werden. Schade um ihre wunderschön produzierte Werbung.

Auditive Menschen hören auf jedes kleine Detail

Ich werde mich jetzt hier mal outen: Ich bin ein sehr auditiver Mensch. Ich lerne am besten durch Zuhören. Darum suche ich auch immer das persönliche Gespräch mit meinen Kunden. Ich höre aus Ihren Sätzen heraus, was Ihnen wichtig ist – und natürlich auch, welches Ihr bevorzugter Sinn ist. Bei mir kommen oft Sätze wie diese: «Das klingt interessant.» «Das hört sich gut an.» «Lassen Sie uns darüber reden.» «Das habe ich überhört.»

Kinästhetische Menschen spüren genau, worauf etwas hinaus läuft

Die dritte grosse Gruppe will alles spüren, sie sind körperbetont und oft sehr ruhig. Sie sprechen überlegt, richten die Aufmerksamkeit oft nach innen. Oft arbeiten diese Menschen in Berufen, die dazu passen: im Gesundheitswesen, im Sozialen, im HR. Sie erkennen kinästhetische Menschen an Sätzen wie diesen: «Das berührt mich gar nicht.» «Daran halte ich fest.» «Irgendetwas blockiert mich hier.» «Es fällt mir schwer, diesen Standpunkt zu verstehen.»

Olfaktorische und gustatorische Nuancen bringen die Würze hinzu

Die letzten beiden Gruppen treten oft nur als untergeordnete Teile der oberen drei Persönlichkeitstypen auf. Wenn sich immer mal wieder olfaktorische Sinneswahrnehmungen (riechen) oder gustatorische (schmecken) in der Sprache zeigen, klingt das so: «Es stinkt mir.» «Das schmeckt mir gar nicht.» «Das riecht nach Ärger.» «Das ist süss.»

Nutzen Sie alle Sinne beim Schreiben

Sie sehen, jeder Mensch nimmt Ihre Botschaft anders wahr. Die einen erkennen sofort, worum es geht, für andere klingt es vielleicht interessant, wieder andere spüren, dass Sie es ehrlich meinen. Darum sollten Sie darauf achten, dass alle Sinne im jeweiligen Text vertreten sind. Werfen Sie doch während des Schreibens ab und zu mal einen Blick in den Thesaurus und lassen Sie sich inspirieren.

Wie Sie relevante Inhalte erstellen

Die Sache mit der Relevanz

Wenn Sie eine Website betreiben, sind Sie vielleicht schon einmal diesem Begriff «Relevanz» begegnet. Google bewertet die Relevanz von Webseiten und beurteilt, ob sie für Nutzer relevant sind. Aber was heisst das?

Das Wort Relevanz stammt aus dem englischen «relevance» und bedeutet so viel wie «Wichtigkeit» oder «Bedeutung». Es wird also beurteilt, wie wichtig oder nützlich etwas für den Nutzer sein könnte. Und da scheiden sich oft schon die Geister. Haben Sie sich schon einmal überlegt, was für Ihre Kunden wichtig ist?

Was ist für Ihre Kunden wichtig?

Die Antwort auf diese Frage geht weit über Ihre Website hinaus! Sie müssen Ihr komplettes Marketing darauf ausrichten. Wonach suchen Menschen, die Ihre Produkte oder Ihre Dienstleistung brauchen können? Ein Möbelschreiner könnte sich zum Beispiel fragen, ob es das besondere Vollmondholz ist, die Stabilität von Eiche oder die einzigartige Gestaltung mit Intarsien oder Schnitzereien? Oder ist es ganz einfach die Spezialgrösse, der günstige Preis, die einfache Zerlegbarkeit? Oder ein Mix aus allen diesen Anforderungen? Wenn der Möbelschreiner genau weiss, wo seine Stärken liegen, dann kann er genau diese Kunden ansprechen. Je direkter, umso weniger Streuverluste und im Endeffekt umso günstiger wird seine Werbung sein.

Was Kunden nicht interessiert

Wir machen einwandfreie Qualität! Sorry, damit holen Sie nun wirklich niemanden mehr hinter dem Herd hervor. Das setzt man einfach voraus. Damit kann sich niemand von der Konkurrenz abheben.

Wir haben die neuesten Produktionsmaschinen! Wie schön für Sie, aber wozu muss Ihr Kunde das wissen? Können Sie damit schneller liefern, billiger oder hat das für ihn gar keinen Einfluss?

Wir haben eine riesige Auswahl! Das kann ein Vorteil sein, meist aber ist ein Kunde damit vollkommen überfordert. Wenn Sie ihm einfach zeigen, was Sie alles haben, wird er damit einfach überfordert sein. Er kann normalerweise nicht selbst herausfinden, was das Richtige für ihn ist. Darum fragt er ja einen Spezialisten, also Sie!

Relevante Werbung gibt Antworten

Ein Kunde hat in der Regel eine bestimmte Idee, was er sucht. Und wenn er Ihren Prospekt ansieht oder Ihre Website besucht, will er Antworten auf seine Fragen und nicht irgendwelche flachen Marketing-Floskeln. Füllen Sie Ihre Prospekte und Webseiten mit relevanten Informationen, mit Antworten auf die Fragen von potenziellen Kunden. Sie strahlen damit Kompetenz aus, erscheinen als Fachmann, der sich angenehm von der Masse der Anbieter abhebt. Plötzlich werden Sie relevant!

WILL HABEN!

Foto: picjumbo.com
Foto: picjumbo.com

WILL HABEN!!!

Die grösste Kunst im Verkaufen ist es, dem Kunden das Gefühl zu geben, er müsse dieses Produkt unbedingt haben. Das gilt natürlich auch beim schriftlichen Verkaufen, also in der Werbung. Und hier gibt es noch viel zu tun. Die meisten KMU sind hier alle gleich kreativ, nämlich gar nicht. Alle verwenden immer wieder die gleichen nichtssagenden Floskeln. Sie werden austauschbar und erzählen doch von Individualität. Sie reden von Leidenschaft in der Produktion und verkaufen es mit tiefgekühlten Worten. Picken Sie eine beliebige Website eines Schweizer KMU heraus und lesen Sie den Bereich „Über uns“.

 

Viele KMU werben mit den immer gleichen langweiligen Floskeln:

  • beste Qualität
  • Kundennähe
  • persönliche Beratung
  • langjährige Erfahrung
  • individuell
  • hohe Kundenzufriedenheit
  • etc.

Sie vergessen dabei das Wichtigste: Kein Kunde kauft etwas, weil diese Floskeln auf dem Prospekt stehen! Viele davon sind nicht einmal geeignet, um einen Mehrwert erkennen zu lassen. „Beste Qualität“ setzt ein Kunde voraus, dass er individuell betreut wird ebenfalls; genauso wie er am Schluss zufrieden sein will. Damit gewinnt man keine Aufträge!

Warum kauft jemand ein Produkt oder eine Dienstleistung? Weil er ein Problem hat! Und wer ihm ein Problem löst, den bezahlt er entsprechend. Was sind also die gängigen Probleme für Ihre Kunden? Dass er persönliche Beratung braucht? Dass er zufrieden sein will? Mitnichten!

Er kommt abends müde von der Arbeit nach Hause und setzt sich auf einen Stuhl, um die Zeitung zu lesen. Auf diesem Stuhl schmerzt ihn aber sein Rücken. Und die Nachrichten in der Zeitung sind auch schlecht. Dann kommt seine Frau und stört ihn schon nach wenigen Minuten. Mit Rückenschmerzen und schlechten Nachrichten vor Augen fährt er sie an: „Lass mich in Ruhe!“ Sie eilt weinend ins Schlafzimmer davon. Ärger und Streit wohin man sieht und er wird das Gefühl nicht los, dass seine Frau bereits mit dem Scheidungsanwalt die Aufteilung des Vermögens bespricht.

Natürlich könnte er es auch anders haben. Mit dem wunderbaren Lesesessel von Comfort-Plus. Der passt sich perfekt seinem Rücken an und bringt echte Entspannung beim Lesen. Er blättert an den schlechten Nachrichten vorbei zur Witzseite und wenn seine Frau kommt, lächelt er gerade; Harmonie und ein glückliches Familienleben. So einfach geht das mit dem wunderbaren Lesesessel von Comfort-Plus.

Für den Kunden in dieser Geschichte stellt sich kaum noch die Frage nach Qualität, Preis oder Kundennähe. Für ihn geht es um viel mehr: um Familie, Liebe, Harmonie. Da wird alles andere zur Nebensache.

Eine solche Geschichte braucht nicht unbedingt viele Worte. Mit einem passenden Bild kann eine solche Geschichte in wenigen Sätzen erzählt sein. Wie Bilder Geschichten erzählen, lesen Sie in einem meiner früheren Beiträge.

Vielleicht hat diese Geschichte jetzt Ihre Fantasie auch angeregt. Wie wäre es, wenn sich Ihre Produkte auch so verkaufen würden? Rufen sie am besten an, damit wir Ihre Werbung mit solchen Geschichten versehen können. Hier geht es zum Kontakt.

Sagt ein Bild wirklich mehr als 1’000 Worte?

think-225401_1280Ein Bild sagt mehr als 1’000 Worte! Wirklich?

Dieses alte Sprichwort bedeutet, dass ein Bild einen komplizierten Sachverhalt einfacher erklären kann, als eine lange Anleitung. Das ist durchaus richtig. Es gibt allerdings auch viele Unternehmer, die glauben, dass ihre Bilder etwas über die Qualität ihrer Arbeit aussagen. Ein schönes Bild reicht doch, wozu braucht es da noch Text?

Stellen Sie sich einmal vor, ein Verkäufer würde Ihnen einfach einen Katalog vor die Nase halten und ihn still durchblättern. Sie würden wundervolle Bilder sehen von hochwertigen Produkten. Doch die Produkte würden sich kaum von anderen unterscheiden. Sie selbst hätten keine Ahnung, wo die Unterschiede liegen. Wenn der Verkäufer Ihre Aufmerksamkeit lenken würde mit kurzen Sätzen, wäre das bestimmt hilfreich, oder? Sie wüssten, worauf Sie achten müssen. Sie würden merken, was für Sie wichtig ist und was nicht.

Und genau deshalb braucht es Text. Und zwar nicht irgendwelchen Text, sondern genau durchdachten. Ein Text, der die Fantasie des Betrachtes in die gewünschte Richtung lenkt.

Nehmen wir dieses Bild. Was sagt uns das. Eine Frau sitzt an einem Bergsee auf einer Bank. Die Sonne scheint und trotzdem trägt sie einen Regenmantel. Und schon wirft das Bild eine Frage auf: Warum trägt die Frau einen Mantel, wenn doch die Sonne scheint?

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Wenn wir zu diesem Bild einige kurze Sätze ausprobieren, erkennen wir sofort, wie sie unsere Fantasie steuern können.

Probieren wir es mal mit:

– Ob er kommt?

– Das Opfer.

– Die Täterin.

– Durchatmen und entspannen.

– Den Alltag vergessen.

– Abgehau’n.

– Zeit, nachzudenken.

So einfach kann im Kopf jedes Mal eine andere Geschichte entstehen. Und natürlich beeinflusst eine Geschichte die nachfolgenden.

Sie sehen, ein Bild kann viel aussagen, wenn die passenden Wörter eine Richtung vorgeben, in die gedacht werden soll. Übrigens habe ich dieses Bild von der Seite www.picjumbo.com, eine Seite, wo es kostenlose und erstklassige Bilder zum Download gibt.

Englisch in der Werbung

board-928378_1280Back to School – Englisch in der Werbung

Jetzt spriessen sie wieder, die englischen Werbebotschaften. Überall hängen „Back to School“-Plakate in den Schaufenstern und wollen uns zum Schulbeginn neue Schultaschen, Etuis, Farbstifte, Hefte und vieles mehr verkaufen.

Warum setzen eigentlich Werber immer wieder auf englischsprachige Slogans? Klar, das Englische ist manchmal prägnanter. Wortspiele verlocken ebenso zum Englischen wie schlichte Gewohnheit. Man braucht nur das Radio einzuschalten und wird wohl 90% englischsprachige Lieder (Songs) hören. Die Hitparade wurde schon lange durch die Charts ersetzt und der Schweizer Musikpreis heisst heute Swiss Music Award.

Doch mal ganz ehrlich, verstehen Sie wirklich gut genug Englisch, um alle diese Botschaften zu verstehen? In diesem Zusammenhang hört man auch manchmal von „falschen Freunden“. Diese haben aber nichts mit betrügerischen Kollegen zu tun, sondern sind Übersetzungsfehler. Wörter, die ähnlich oder gleich klingen in Englisch und Deutsch, aber in jeder Sprache eine andere Bedeutung haben.

Ich habe hier einige zusammengestellt:

Deutsch Englisch Falscher Freund Heisst wirklich
Art way, sort, kind art Kunst
bekommen to get to become werden
Brief letter brief Kurz
engagiert committed engaged verlobt
fast almost fast schnell
Gift poison gift Geschenk
Konfession religion, denomination confession Beichte, Geständnis
konkret specific concrete Beton
Handy mobile phone (GB),
cell phone (US)
handy handlich, praktisch
meinen think mean bedeuten
ordinär vulgar ordinary gewöhnlich
pathetisch emotive pathetic lächerlich, albern
Zirkel pair of compasses circle Kreis

Wer das Thema vertiefen möchte, kann sich hier eine vollständigere Zusammenstellung ansehen.

Die deutsche Agentur Endmark führt alljährlich eine Studie durch zu diesem Thema. Dieses Jahr fragt die Studie „Übersetzt du noch oder fährst du schon?“ Natürlich geht es dabei um Autowerbung. Hier der Link dazu.

Also, bevor Sie sich einen lustigen englischen Spruch ausdenken, stellen Sie sicher, dass Sie nicht einem falschen Freund auf den Leim gehen.

In der Kürze liegt die Würze

pepper-230419_1280In der Kürze liegt die Würze

Diese Redewendung ist schon etwas älter, aber immer noch hochaktuell. Besonders wenn wir beachten, dass die Zeit bis zur nächsten Ablenkung gerade mal noch 8 Sekunden beträgt (mehr dazu hier). Wie viel Text kann jemand in 8 Sekunden lesen? Als Durchschnittswert nimmt man hier 2 Silben pro Sekunde an, also rund 16 Silben in 8 Sekunden.

Werbetexte vom Profi sind durchdacht, wirksam und erfolgreich.“ Dieser Satz besteht aus genau 16 Silben. Ein Durchschnittsmensch kann also den ganzen Satz in diesen 8 Sekunden lesen. Doch müssen wir uns noch eine weitere Frage stellen: Will das jemand lesen?

Und hier wird es knifflig. Kein Mensch will Werbung lesen. Menschen wollen unterhalten werden, wollen etwas lernen, wollen Neuigkeiten erfahren. Hier also kann die Werbung ansetzen. Sie kann eine Geschichte erzählen, Wissen vermitteln oder eine Neuheit anpreisen. Allerdings muss das noch etwas schneller gehen. 1.5 – 2.5 Sekunden haben wir Zeit, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu gewinnen. Da muss jedes Wort sitzen. Kurz und bündig.

Gelingt es uns, den Leser für unsere Werbung zu interessieren, haben wir für 8 Sekunden seine Aufmerksamkeit. Und wenn wir in diesen 8 Sekunden spannend, unterhaltsam und lesenswert bleiben, können wir uns seine Aufmerksamkeit für weitere 8 Sekunden sichern und so weiter.

Wir stehen also ständig unter Druck. Unser Text muss für den Leser so wertvoll sein, dass er nicht bei der nächsten eingehenden E-Mail wegklickt und für immer und ewig weg ist.

Diese Checkliste kann helfen, Ihre Texte zu prüfen:

  • Ist die Information für den Leser wichtig? Wenn ja, warum?
  • Will der Leser das wissen? Wenn ja, warum?
  • Enthält der Text Füllwörter, also Wörter, die ersatzlos gestrichen werden können?
  • Enthält der Text Fachbegriffe, die der Kunde nicht versteht? Raus damit!
  • Bietet der Text Spannung, Unterhaltung oder Neuigkeiten?

Ganz gleich, was Sie schreiben, ob Werbebrief, Content für Ihre Website oder auch einen Liebesbrief, überprüfen Sie jeden Satz und jedes Wort mit dieser Checkliste.

Nutzen Sie meinen kostenlosen Text-Check

 

Wie eine Spinne webt er sein Netz…

dandelion-758778_1280Wie eine Spinne webt er sein Netz…

Eng umgarnen die Fäden des Textes den Leser, bis dieser sich darin ganz verfängt, nicht mehr loslassen kann, sondern regelrecht kleben bleibt in der spannenden Geschichte. Wer Spannungsromane liest, kennt das vielleicht. Da steckt man plötzlich mittendrin in der Geschichte und kann sich kaum noch davon lösen.

Wäre das nicht toll, wenn ein Werbetext genauso wirken würde. Dabei muss der Text aber verschiedene Hürden nehmen. Er muss aus der grossen Masse herausleuchten, muss auffallen wie ein Einhorn in einer Herde von Flusspferden. Dann wird man sich für kurze Zeit damit beschäftigen.

Und dann sollte der Text natürlich halten, was er verspricht. Das Einhorn sollte dann auch wirklich ein Einhorn sein, nicht etwas ein Flusspferd mit angeklebtem Holz auf der Stirn. Und dann sollte das Einhorn eine spannende Geschichte zu erzählen haben. Von der Prinzessin, die nur eine bestimmte Sorte Äpfel mag – keine vom Pferd, sondern solche vom Baum.

Dann sollte da auch stehen, warum die Prinzessin nur diese eine Sorte Äpfel mag. Schliesslich hat ihr ein solcher Apfel zu ihrem Märchenprinzen verholfen. Wenn das kein Grund ist. Am Ende könnte die geneigte Leserin vielleicht auch ihren Traummann finden, wenn sie nur auch einen solchen Apfel hat?

Bestimmt haben sie jetzt eine ungefähre Vorstellung von der Prinzessin und ihrem Märchenprinzen, vom Einhorn zwischen den Flusspferden. Das ist so, weil Ihr Gehirn keinen Text abspeichert, sondern Bilder. Darum sind auch abstrakte Begriffe wie Qualität, Preis-Leistungs-Verhältnis, Erfahrung am Ende nichtssagend. Wie sieht Qualität aus? Woran erkennt man die? Natürlich erkennt der Fachmann einen qualitativ hochwertigen Apfel sofort. Doch kann man das auch von einem oft unwissenden Kunden erwarten?

Wechseln wir mal das Thema und verkaufen wir Matratzen. Wenn da steht, dass der hochwertige High-Tech-Schaumstoffkern mit seiner perfekt dämpfenden Struktur einen tollen Komfort bietet, kann man sich vielleicht etwas darunter vorstellen. Aber Hand aufs Herz, vom Hocker reisst es uns nicht, oder?

Und was wäre, wenn wir das mit einigen Bildern und Gefühlen anreichern? So etwa: Die besondere Struktur dieser Matratze lässt Sie wie auf Wolken ins Reich der Träume hinauf schweben, so sanft und sicher, dass Sie morgens erfrischt und fröhlich erwachen.

Wir sind auf Bilder fixiert, auch auf solche, die nur in unserer Vorstellung entstehen. Schafft es unser Text, ein Bild zu erzeugen, haben wir den ersten Schritt zum erfolgreichen Werbetext getan.

Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

Das haben wir aber anders gelernt…

glasses-272399_1280Das haben wir aber anders gelernt…

Alle haben wir einmal eine Schulbildung geniessen dürfen und dabei war auch das Fach Deutsch vertreten. Wir haben uns abgemüht mit der verwirrenden deutschen Grammatik, mit der nicht immer so einfachen Orthografie und natürlich mit den Satzzeichen.

Für die meisten war das dann auch noch vor der Rechtschreib-Reform, die 1996 zum ersten Mal Verwirrung stiftete und mit Korrekturen 2004 und 2006 definitiv gültig wurde. Das Durcheinander scheint also unvermeidlich.

 

Vor ‚und‘ hat es nie ein Komma

Das kann man so nicht sagen. In einer Aufzählung werden tatsächlich die einzelnen Punkte mit Kommas getrennt und der letzte Punkt ohne Komma, dafür mit einem ‚Und‘ verknüpft. Wer jetzt vor lauter Punkt, Komma und Und bereits den Überblick verloren hat, soll sich nicht beunruhigen. Das kann vorkommen, und zwar öfter als man denkt. Mooooment! Wieso stand da jetzt ein Komma vor dem Und? Ganz einfach, weil die nachgestellte Erläuterung ‚und zwar‘ mit einem Komma abgetrennt wird. Ebenso hier: Es wird Zeit, dass es weitergeht, und das bald einmal.

Wortwiederholungen sollten auf jeden Fall vermieden werden

Richtig eingesetzt, können Wortwiederholungen durchaus sinnvoll sein. Sie können als Stilmittel genutzt werden, um einen Sachverhalt zu betonen oder etwas Gewicht zu verleihen.

Sie, lieber Kunde, sind uns wichtig, weil Sie unseren Lohn bezahlen, weil Sie dafür sorgen, dass es uns gut geht, und im Gegenzug sorgen wir dafür, dass Sie an unserem Produkt Freude haben, dass Sie damit rundum zufrieden sind.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Internet. Wer bei Suchmaschinen gefunden werden will, muss auch auf die so genannte Keyword-Dichte achten. Das heisst, dass ein Suchbegriff auf einer Seite am besten mehrmals vorkommen soll. Man sagt, dass eine Keyworddichte von 3 – 5% ideal ist, das heisst, dass die Keywords 3 – 5% des Textvolumens ausmachen sollten.

Deutschlehrer sind keine Werber, Journalisten auch nicht unbedingt

Wären sie es, hätten manche vielleicht mehr Freude an der deutschen Sprache. Aber Spass beiseite: Was in der Werbung funktioniert, muss nicht zwingend eine schöne oder gar poetische Sprache sein. Es gibt viele herausragende Schriftsteller, die aber nicht zwingend auch gute Werber sein müssen.

Ebenso die Journalisten. Diese können sehr gut über ein Ereignis oder auch über eine Sache berichten. Sie sind es gewohnt, mit Wortbildern zu arbeiten und lebendige Wörter zu nutzen. Nur ist es eben noch einmal etwas anderes, wenn es darum geht, in Lesern einen Wunsch nach einem Produkt zu wecken. So kann es sein, dass selbst Journalisten bei der Aufgabe scheitern, ein Produkt zu vermarkten.

 

 

Wie Geschichten verkaufen

coffee-667052_1280Erzählst du mir eine Geschichte?

Wer Kinder hat, kennt diesen Satz wohl zur Genüge. Kinder lieben Geschichten. Und sie hören gern zu. Für unsere Kinder erzähle ich auf Wanderungen immer wieder Geschichten, um die Zeit zu verkürzen. Dabei erfinde ich frei und lassen Dinge einfliessen, die uns gerade auf dem Weg begegnen. Natürlich kann auch manchmal eine Botschaft darin enthalten sein, eine Moral.

Wer Werbemagazine und Marketing-Blogs liest, trifft garantiert auch auf das Thema Storytelling. Da darf natürlich der Geschichtenerzähler nicht hintan stehen. Nur habe ich hier einen etwas anderen Ansatz.

Da sind mir vor Kurzem die „22 Regeln für gutes Geschichtenerzählen“ von Emma Coats, Story Artist bei PIXAR, begegnet. Und sogleich habe ich die mit Interesse gelesen und fasse hier zusammen, wie das in der Werbung umgesetzt werden kann.

1. Was eine Figur erreichen will, ist interessanter, als das, was sie kann.

Auf die Werbung umgesetzt: Was ein Kunde mit einem Produkt erreichen kann, ist interessanter als das, was das Produkt kann. Oder anders ausgedrückt: Dass der Kunde interessante Filme in höchster Bild- und Tonqualität sehen kann, sagt ihm mehr, als es die Downloadgeschwindigkeit in mbit/s jemals könnte.

2. Vergiss nie, was dich als Zuschauer interessiert, nicht was vielleicht als Autor noch Spass macht.

Denken Sie immer aus Kundensicht. Dass Sie einwandfreie Qualität abliefern und ein Team von motivierten Spezialisten haben, setzt der Kunde voraus. Für ihn ist wichtig, dass sein Projekt rechtzeitig abgeschlossen ist, er sich in seinem neuen Haus wohlfühlt, sein neues Auto dufte wie frisch ab Werk.

3. Schreibe über ein Thema.

Für den Leser ist es wichtig, auf Anhieb zu erkennen, worum es geht. Das Thema könnte mit Kundennutzen übersetzt werden. Was nützt es dem Kunden, wenn er bei uns kauft?

4. Es war einmal / Jeden Tag / Eines Tages / Aus diesem Grund / Bis schliesslich

Lässt sich Ihre Werbebotschaft in ein solches Muster giessen? Probieren sie es aus. Ganz gleich, wenn Sie es nicht direkt so verwenden können. Es hat zumindest den Horizont Ihres Denkens erweitert.

5. Vereinfache, Fokussiere, lass Umwege weg

Sag es klar und deutlich. Besonders in der Werbung ist das wichtig. Wir haben in der Werbung ganz einfach keine Zeit für lange Erklärungen und ausschweifende Reden. Komplizierte Fachbegriffe gehören genausowenig hinein wie die tausendunderste Marketing-Floskel.

6. Was kann deine Figur? Was gefällt ihr? Wie reagiert sie, wenn sie mit dem Gegenteil konfrontiert ist?

Worin ist Ihr Produkt besonders gut? Wo nicht? Wo liegen die Schwächen? Was passiert, wenn Ihr Produkt mit Schwächen konfrontiert wird?

7. Schreib das Ende vor der Mitte.

Das Ende der Geschichte muss von Anfang an feststehen. Worauf wollen Sie mit Ihrer Botschaft hinaus. Was ist das Ziel der Information? Was muss Ihr Kunde wissen, wenn er die Werbung gelesen hat?

8. Schreib die Story zu Ende. Lass sie los, auch wenn sie nicht perfekt ist. Mach dich an die nächste und lerne aus deinen Fehlern.

Fehler sind erstklassige Chancen, etwas zu lernen. Prüfen Sie, wie Ihre Werbung wirkt. Testen Sie. Fragen Sie Ihre Kunden. Lernen Sie daraus und machen Sie es beim nächsten mal noch besser.

9. Wenn du nicht weiter kommst, schreibe auf, was als nächstes NICHT passiert.

Viele Menschen wissen ganz genau, was sie NICHT wollen. Nur die wenigsten wissen, was genau sie wollen. So kann es auch helfen, sich über Ihr Produkt diesbezüglich Gedanken zu machen. Was kann es bestimmt nicht? Und wieso eigentlich nicht?

10. Analysiere Geschichten, die dich ansprechen.

Sie sehen selbst hunderte Werbebotschaften jeden Tag. Im Fernsehen, im Internet, auf Plakatwänden und in Zeitungen. Schauen Sie alle an, finden Sie heraus, welche Ihnen gefallen und warum? Was ist das Besondere daran? Wie hat es die Anzeige geschafft, Ihre Neugier zu wecken?

11. Bring es zu Papier. Was du nur im Kopf herumträgst, bekommt nie jemand zu sehen.

Ich habe oft die besten Ideen, wenn ich unterwegs bin. Im Auto oder beim Joggen im Wald. Da kann ich nie etwas aufschreiben. Das trainiert das Gedächtnis.

12. Wirf die erste Idee weg. Und die zweite. Und die dritte, vierte und fünfte. Vermeide das Offensichtliche. Überrasche dich selbst.

Die erste Idee ist vielleicht lustig und vielleicht kreativ. Aber die zweite und dritte sind vielleicht noch besser. Wer sich etwas mehr Zeit nimmt und seinen Gedanken freien Lauf lässt, kommt manchmal zu überraschenden und genialen Einfällen.

13. Gib deinen Figuren Meinungen. Das bringt Würze in die Story.

Wenn Ihr Produkt sexy ist, dann dürfen Sie das auch sagen. Wenn es bieder ist, findet es auch biere Abnehmer. Wenn sich Ihr Produkt hauptsächlich an Frauen verkauft, darf das Design etwas weicher sein, die Markenbotschaft etwas feinfühliger.

14. Was treibt dich an, genau diese Geschichte zu erzählen? Das ist der Kern.

Wollen Sie, dass niemand mehr selbst Staubsaugen muss? Sollen alle Haushalte mit einem vollautomatischen Staubsauger-Roboter ausgerüstet sein? Dann erzählen sie diese Story.

15. Wenn du dein Charakter wärst, was würdest du in dieser Situation fühlen?

Fühlen sie sich mal in die kleine Schraube ein. Wie sie in halsbrecherischem Tempo ins Holz gedreht wird. Wie sie zwei Hölzer felsenfest zusammenhält. Welche Last sie trägt und doch aufrecht steht. So unscheinbar und doch ein Wunderwerk der Technik.

16. Was steht auf dem Spiel? Gibt dem Zuschauer Gründe, um mit dem Charakter mitzufiebern.

Ein Produkt wächst mit seinen Aufgaben. Welche grossen – vermeintlich unlösbaren – Aufgaben kann Ihr Produkt bewältigen?

17.Keine Arbeit ist umsonst. Wenn eine Idee nicht funktioniert, leg sie beiseite und mach etwas anderes. Vielleicht kannst du sie später brauchen.

Manchmal passt es nicht zum aktuellen Zeitgeist. Manchmal ist eine Idee ihrer Zeit voraus. Dann können Sie die Idee auch einfach in Ihre Ideen-Schublade legen. Und vielleicht blättern Sie Ihre Ideen-Schublade alle 2 Monate einmal durch.

18. Du musst dich selbst kennen, den Unterschied zwischen „alles geben“ und jammern.

Wo können sie bei ihrer täglichen Arbeit „alles geben“? Ist die Arbeit für Sie ein Brot-Job oder Leidenschaft? Das werden ihre Kunden sofort merken. Und ich kann Ihnen versichern, herausragende Leistungen entstehen immer aus Leidenschaft.

19. Zufälle, um Figuren in Schwierigkeiten zu bringen, sind gut; Zufälle, um sie wieder rauszuholen, sind billig.

Ein Leser erwartet, dass die Figur aus eigener Leistung ein Problem löst. Nur das mach die Figur zum Helden. Genauso ist es auch in der Werbung. Schreiben Sie darüber, wie Sie Probleme gelöst haben. Wie Ihre Produkte unter maximaler Belastung standen und sich bewährten.

20. Nimm die Bestandteile eines Films, den du nicht magst. Wie würdest du diese anordnen zu einem Film, den du magst?

Das Gegenstück zum Punkt 10 in der Liste. Wenn Sie ein Inserat, das Ihnen nicht gefällt, verbessern müssten, wie würden Sie das tun? Beachten Sie, dass es oft leichter ist, etwas bestehendes zu verbessern, als mit einem leeren Blatt anzufangen.

21. Es reicht nicht, einfach „coole“ Szenen zu schreiben. Was würde dich dazu bringen, so zu handeln, wie es deine Figuren tun?

Die genau gleiche Frage können wir auch im Werbe-Umfeld stellen: Was würde Sie dazu bringen, diese Produkt zu kaufen? Warum genau dieses und nicht das von der Konkurrenz? Was ist so „cool“ an dem Produkt?

22. Was ist die Essenz deiner Geschichte? Was ist die ökonomischste Art, sie zu erzählen?

Auch in der Werbung gilt es, die Essenz zu finden. Den absoluten Kundennutzen, der Ihr Produkt so unwiderstehlich macht, dass es sich fast von selbst verkauft. Und wer schon einmal versucht hat, eine Headline für ein Inserat zu kreieren, weiss, wass es bedeutet, so ökonomisch wie möglich zu erzählen.

Aufmerksam für 8 Sekunden

squirrel-619968_1280Aufmerksam für 8 Sekunden

Stellen Sie sich vor, Sie wären beim Speed Dating und müssten bei Ihrem jeweiligen Gesprächspartner innert 8 Sekunden das Interesse geweckt haben, sonst ist die Chance für immer vorbei.

Unmöglich meinen Sie? Dabei gehört das zum täglichen Brot des Werbers. Laut einer Studie des „National Center for Biotechnology Information in der US National Library of Medicine“ kann sich ein Mensch heute nur gerade 8 Sekunden auf etwas konzentrieren, bis die nächste Störung ihn erreicht – sei dies eine E-Mail, eine SMS, ein Anruf oder jegliche andere Art von Kommunikation.

Unsere Aufmerksamkeit springt wie ein Eichhörnchen mal hierhin mal dahin, um zu sehen, was gerade auch noch interessant ist. Natürlich können wir uns auch länger auf etwas konzentrieren, dafür muss uns diese Sache aber auch interessieren. Sonst springen wir schnell weiter zum nächsten Reiz, der unsere Aufmerksamkeit erregt.

Wie Sie in 8 Sekunden Interesse wecken

Wenn Sie diesen Satz jetzt lesen, hat es bereits geklappt. Sätze mit „Wie Sie…“ bieten den Kunden direkt Lösungen an. In diesem Fall ist es nun äusserst wichtig, dass der Kunde dann auch wirklich ein Rezept bekommt, wie er etwas erreichen kann.

So kann Ihr Text dann durchaus interessanter sein als die nächste Whatsapp-Nachricht oder die dringende E-Mail. Erst recht, wenn der Text wirklich interessantes Wissen transportiert und lesefreundlich geschrieben ist.

Nutzen Sie verschiedene Möglichkeiten, Ihre Information interessant darzubieten:

  • erzählen Sie eine kurze (wahre) Geschichte
  • einen Erfahrungsberich eines Kunden
  • nutzen Sie Sprichworte und Wortbilder
  • verwenden Sie einfache Infografiken
  • verwenden Sie (Erklär-)Videos
  • meiden Sie Fachausdrücke und „Behördensprache“
  • verzichten Sie auf typische Werbefloskeln

Gestalten Sie den Text visuell

Beobachen Sie sich selbst, wenn Sie eine Zeitung, eine Website oder einen Prospekt durchblättern. Was nehmen Sie wahr und warum? Bilder helfen Ihnen bei der Orientierung. Grosse Überschriften machen es Ihnen leicht, sich zurechtzufinden. Sie können kurz über die Seite scannen und sich grob orientieren. Zwischentitel leuchten aus dem Text heraus und erleichtern Ihnen das Überspringen von Absätzen und das Finden der für Sie wichtigen Informationen.

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Ans Vorspiel denken

Bevor Sie diese ersten 8 Sekunden bekommen, sind Sie einer von diesen Störfaktoren. Sie versuchen ihn mit Ihrer (Werbe-)Botschaft aus seiner letzten 8-Sekunden-Konzentration zu reissen. Das muss manchmal sehr brachial und plakativ geschehen. Eine Anzeige in einer Zeitung hat dafür rund 1.5 Sekunden Zeit, ebenso ein Werbebanner im Internet. Wenn diese erste Kurzbotschaft nicht ankommt, sind all Ihre Mühen umsonst. Da ist Kreativität gefragt.

Wie erzählt man in 1.5 Sekunden eine Geschichte?

Das geht am besten mit einer gelungenen Bild-Wort-Kombination. Die Werbung bietet viele tolle Beispiele dafür. Die Worte können dem Bild eine ganz neue Bedeutung geben oder das Bild kann die Wörter in einen ganz neuen Zusammenhang stellen. Erlaubt ist fast alles, was sich oberhalb der Gürtellinie befindet. Hauptsache, es passt zum Produkt, zum Unternehmen und natürlich zum Kunden.